10.1 Die elektrische Ladung

Ladung:

Die elektrische Ladung Q ist eine eigene Grundgröße der Elektrotechnik. Sie wird nicht durch andere Größen erklärt. Sie dient der Erklärung anderer elektrischer Größen (z.B. elektrisches Feld, Strom)

Einheit:

Die Einheit der Ladung ist das Coulomb1

[Q ] = C = A s
(10.1.1)

Elementar:

  1. Es gibt positive und negative Ladungen, deren Zuordnung historisch willkürlich erfolgte. Sie können nicht erzeugt werden sondern entstehen durch Ladungstrennung.
  2. Ladungen treten nur als Vielfaches der Elementarladung auf
    Q  = N e
    (10.1.2)

  3. Die Elementarladung eines Elektrons ist
                   −19
e = − 1,602 ⋅ 10   A s
    (10.1.3)

  4. Da Leiter ca. 1023 Elektronen pro cm3 und auch Halbleiter noch ca. 1010 bis 1020 Elektronen pro cm3 enthalten entfällt die Quantelung der Ladung in der Praxis.
Atom:

Atome bestehen aus Protonen und Neutronen im Kern und aus Elektronen, die auf Bahnen um den Kern kreisen (siehe Abb. 10.1.1) .


PIC

Abbildung 10.1.1: Elektronenschalen und Atomdurchmesser

Frage:

Warum sind die Elektronenbahnen2 stabil?

Ursache:

Für eine stabile Bahn benötigen wir eine Kraft und eine passende Gegenkraft. Wir können hier 2 Kräfte finden, die in Wechselwirkung miteinander stehen:

  1. Die Zentrifugalkraft3 bzw. die Fliehkraft
          mev2-
Fv =   r
    (10.1.4)

  2. Die Massenanziehungskraft4 bzw, die Gravitationskraft
    F  = γm1m2---=  -k-m1m2--
 g      r2      4π   r2
    (10.1.5)

Frage:

Wird die Fliehkraftwird durch die Gravitaionskraft kompensiert

                          2
F  =  γm1m2---≈ F  =  mev--
  g     r2       v      r

Antwort:

FALSCH: Die auftretende Fliehkraft Fv ist ca. 1035 mal größer als die Massenanziehungskraft Fg zwischen Elektron und Kern!

Elektrotechnik:

Die Elektronenschalen sind also nur deshalb stabil, weil eine zusätzliche elektrische Kraft auf das Elektron wirkt!

Kraft:

Ladungen üben Kräfte aufeinander aus, deren Betrag ist nach dem Coulombschen Gesetz im Vakuum

F =  -Q1Q2---
     ϵ0 ⋅ 4πr2
(10.1.6)

mit der elektrischen Feld- oder Dielektrizitätszahl des Vakuums (Naturkonstante) von5

                 A s               F
ϵ0 = 8,85 ⋅ 10 −12--- = 8,85 ⋅ 10−12--
                V m                m

und der Oberfläche einer Kugel Ak = πd2 = π(2r)2 = 4πr2.

Vektor:

Die Kraft ist ein Vektor mit Betrag und Richtung

 ⃗
F  = F ⋅⃗er

Die Richtung der Kraft wirkt auf der Verbindungslinie der beiden beteiligten Ladungen. Aus den Vorzeichen der Ladungen ergibt sich eine anziehende oder abstoßende Wirkung der Kraft gemäß Abb. 10.1.2


PIC

Abbildung 10.1.2: Abstoßende und anziehende Kraftwirkungen zwischen einfachen Punktladungen

Beispiel 10.1.1
(Coulombsches Gesetz)

Für das Gravitationsgesetz

      γm1m2      k m1m2
Fg =  ---2---=  ------2--
        r       4π   r

mit k bzw. der Gravitationskonstanten γ = k∕(4π) und das Coulombsche Gesetz

      Q1Q2---
Fc =  4πϵ r2
         0

mit den Ruhemassen me, mp und der Ladung e ist das Verhältnis der Beträge von Coulomb- zu Gravitationskraft zu berechnen!

 
Größe Wert



Gravitationskonstante6 γ 6,673 10-11 m3/(s2 kg)
k 8,38 10-10 N m2/kg2
Ruhemasse me 9,11 10-31 kg
Ruhemasse mp 1,67 10-27 kg
Ladung e 1,602 10-19 A s



Lösung:

Die Lösung wird in der Vorlesung erarbeitet. Ergebnisse für den Vergleich der eigenen Lösung sind:

Zahlenwerte für Elektronen ca. 4,159 1042 und für Protonen ca. 1,3 1036

Feld:

Die Kraftwirkung zwischen zwei Ladungen existiert im gesamten Raum um die Ladungen. Sie erzeugt ein Kraftfeld mit einem besonderen physikalischen Raumzustand, der als elektrisches Feld bezeichnet wird. Man unterscheidet:

Felder existieren vielfältig in unserem täglichen Leben, z.B. als Schwerefeld der Erde, wie in Abb. 10.1.3 dargestellt, oder als Strömungsfeld von Flüssen.


PIC

Abbildung 10.1.3: Vergleich von elektrischem Feld und dem Gravitationsfeld der Erde aufgrund der Schwerkraft

Frage:

Wie kann man ein Feld sehen“?

Antwort:

Indem man eine passende Probe“ in das Feld hält, an dem die Wirkung des Feldes sichtbar wird!

Beispiel:

Wirkung:

Ein Feld beschreibt einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen den zwei miteinander verknüpften Feldgrößen:

Energie:

Ein Feld enthält Energie, die stetig über den Raum verteilt ist. Die Zustandsgröße der gespeicherten Energie ist ebenfalls stetig. Sie kann sich damit auf keinen Fall sprunghaft ändern!

 
Feld Energie

Zustandsgröße

Formel




Gravitation potentielle

Höhe h

Wpot = mgh
Strömung kinetische

Geschwindigkeit v

Wkin = 1
2mv2
Elektrisch elektrische

Spannung u

Wel = 1
2Cu2
Magnetisch magnetische

Strom i

Wmag = 1
2Li2




1Zu Ehren von Charles Augustin de Coulomb, 1736 – 1806, französischer Physiker

2Gibt es wirklich solche Bahnen? Nein es ist nur ein einfaches Modell, es gibt nur eine Wahrscheinlichkeit, dass sich das Elektron in einer Elektronenwolke um diese Bahn aufhält. Zudem ändert eine Messung den Aufenthaltsort des Elektrons!

3Masse der Elektronen me = 9,11 1031 kg und deren Bahngeschwindigkeit ca. v = 2200kms

4Gravitationskonstante γ = k∕(4π) = 6,673 1011 m3(s2kg) mit k = 8,38 1010 Nm2kg2

5Ladung: Q = CU, Einheit: [Q] = [I] [t] = [C] [U] As = FV

6mit 1N = 1kg ms2